Aktuell werden wir überflutet mit Nachrichten. „Gesundheitssystem vorm Kollaps!“ oder „Aufschrei der Intensivmediziner!“ oder noch alltäglicher: „Wir brauchen einen Lockdown, damit das System nicht zusammenbricht. Sonst haben wir die Triage!

Mit solchen Nachrichten werden wir seit über einem Jahr zugemüllt. Wir werden bombardiert mit einem Schreckensszenario, angeheizt von unserem Weltuntergangspropheten Karl Lauterbach. Unser Gesundheitswesen funktioniert nicht mehr zu 100 %. Doch hat das je?

Die altbewährte Terminsuche hat eine lange Tradition

Unsere moderne Arbeitswelt bringt zahlreiche Probleme mit sich. Diese zeigen sich schon viele Jahre im gesundheitlichen Bereich. Bereits im Jahre 2017 war das Krankheitsgeschehen recht hoch. Der Gesundheitsbericht der Techniker Krankenkasse 2018 verrät uns folgendes Bild für das Jahr 2017:

Von 100 AU-Fällen pro Versicherungsjahr legten ca. 41 Frauen und 34 Männer eine Krankschreibung wegen Atemwegserkrankungen vor. Wegen Infektionskrankheiten legten 13 Frauen und 11 Männer einen gelben Schein hin. Auf Grund von Muskel-Skelett-Erkrankungen ließen 15 Männer und 15 Frauen den Arbeitsplatz leer. Interessanter Weise sind die Fehlzeiten durch Muskel-Skelett-Erkrankungen lang. Frauen blieben mit der Diagnose 19 Tage pro Krankheitsfall zu Hause, die Männer 18. Die mehr als 40 Tage Fehlzeit durch psychische Erkrankungen lassen wir mal außen vor.

2017 war eine Zeit vor dem Corona-Wahnsinn. Damals gab es eben solche Krankheiten wie Rückenbeschwerden, Depressionen, Sportverletzungen und Grippe. Ach so, es soll auch Patienten gegeben haben, die Probleme mit dem Kreislaufsystem hatten.

Die meisten der genannten Krankheiten mussten behandelt werden. Dazu war eine Knie-OP nötig, eine Transplantation von Herzklappen und Physiotherapie. Eine Physiotherapie wurde auch ohne vorhergehende OP verordnet. Zum Beispiel deswegen, weil wir zu lange sitzen und sich unsere Muskeln verkürzt hatten. Auch ein Unfall kann mit und ohne OP den Weg zum Physiotherapeuten notwendig machen.

Nicht immer war es möglich schnell einen Termin zu bekommen, ganz schwer war es bei den niedergelassenen Kardiologen. Monate vergingen, bis die nötige Herzuntersuchung durchgeführt werden konnte. Beim Zahnarzt taten sich gesetzlich Versicherte zum Teil schwer, wenn das Jahresende anrückte. Einen zeitnahen Termin beim Facharzt zu bekommen gestaltete sich zu einem Lottospiel. Das Gesundheitssystem war schon lange im A…

Sparen im Gesundheitssystem – Der Trick mit dem Krankenhaus

Wer nicht warten wollte oder konnte, hatte vielleicht das Glück in einer privaten Krankenversicherung zu sein. Wenn nicht, dann gab es zwei Möglichkeiten.

Wenn ein MRT-Termin nötig ist um das Knie untersuchen zu lassen, lies man sich einen Termin geben, dessen Wartezeit lang war. Das ist kein Problem, denn es gibt ja die Schmerzmittel. Tabletten sind toll! Die sind so schön bunt und außerdem gibt es den passenden Magenschutz auch auf Rezept.

Zusätzlich gab es den Trick mit dem Krankenhaus. Eine elegante Möglichkeit, sich rundum versorgen zu lassen. Also Einweisung holen und ab ins Krankenbett. Schnell geht’s zum MRT, zur kardiologischen Untersuchung und dann kann auch schon die Behandlung beginnen. Zack Zack!

Ob sich dieser Weg für die Krankenkasse gelohnt hat? Wie viele Menschen machen das so?

Betten knapp – Behandlungsplätze knapp und Corona ist schuld

Der Trick mit dem Krankenhausbett funktioniert heute nicht mehr so einfach. Wir haben eine Pandemie, das ist eine besondere Situation! Notwendige stationäre Behandlungen müssen verschoben werden. Dabei ist der Begriff „notwendig“ sehr interpretationsfreudig. Was nicht dringend ist, muss warten!

Im Krankenhaus ist es eh langweilig, denn Besuch ist nicht erwünscht, die Maske ist Pflicht und die Betten sind knapp. Aber eigentlich sind es nicht die Betten, sondern das Personal.
Es sind genau die Menschen, die uns pflegen, wenn wir Hilfe brauchen. Aber auch sie müssen ständig den Lappen vors Gesicht hängen und müde werden. Genau die Lappen, die zwei Familiengerichte an Schulen untersagt haben.

Es fehlt heute das Personal, welchem schon seit Jahren mit unattraktiven Arbeitsbedingungen der Gefallen am Beruf fehlt. Schon früher waren Überstunden und Überarbeitung, gepaart mit schlechter Bezahlung der Anreizkiller Nummer 1. Diese Menschen fehlen heute immer noch. Nur haben sich die Arbeitsbedingungen deutlich verschlechtert. Ständig ein Stock in der Nase, Maske tragen und müde werden. Hinzu kommt der Kampf mit unzufriedenen Angehörigen, die den frisch operierten Opa nicht besuchen dürfen.

Das Problem gibt es nicht erst seit 2020 und Corona ist auch nicht schuld! Die ganze Krise machte nur eines: Schlechte Arbeitsbedingungen noch schlechter!

Die Folgen werden uns im letzten Jahr auf dem Silbertablett präsentiert. Merke:

„Eine Katastrophe entsteht immer, wenn etwas Schlimmes noch Schlimmer wird.“

Marodes Gesundheitssystem – wie helfen sich die Kranken?

Unser marodes Gesundheitssystem ist eine Katastrophe. Ein Termin beim Facharzt ist schwer zu kriegen, die Praxis für Physiotherapie überlastet. Krankenhäuser nehmen nur Patienten auf, die wirklich behandelt werden müssen, denn schließlich haben wir eine Pandemie. Im letzten Jahr wurden freie Bettenkapazitäten abgebaut. Wieso das so ist, bleibt ein Rätsel.

Aber auch da sind die Menschen kreativ, wie uns eine Leserin mitteilt:

Man begibt sich in eine sogenannte „Schonhaltung“, um den Schmerzen entgegen zu steuern.
Des Öfteren ging ich erst spät zu einem Arzt bzw. Facharzt und bekam dann ein Rezept für eine Krankengymnastik. Dies ist insbesondere nach einer OP wichtig, um wieder in „Schwung“ zu kommen.
Leider beginnt nun eine Jagt nach einem Termin. Viele Praxen sind bereits so ausgelastet, dass ich erst in 6-8 Wochen einen Termin bekommen könne. Einige Praxen nehmen neue Patienten erst gar nicht mehr auf oder das Rezept nicht mehr an. Ich werde mit der Bemerkung abgewürgt: „Bitte melden Sie sich in 2 Monaten noch einmal!“

Ob das dann was bringt oder ich dieselbe Antwort bekomme wie zuvor?
Was passiert zwischenzeitlich? Ich suche mir die Übungen mit Hilfe der Medien selbst raus, schaue brav zu und mache das dann nach. Immer schön üben! Aber so etwas kann auch das Gegenteil bewirken, wenn man keine professionelle Übungsanleitung erhält.

Ich selbst hatte eine OP hinter mir, aber nach wie vor Probleme mein Rezept für die Krankengymnastik einzulösen, um einem weiteren Eingriff zu entgehen. Nun hatte ich zwar das Rezept, aber keinen Termin!
Das Einzige was mir bleibt sind Selbstübungen und vielleicht ein weiterer Eingriff. Darüber werde ich bei meinem nächsten Termin mit dem Doc reden, der ist nämlich schon in 3 Wochen. Dann wird entschieden, wie mir die Youtube-Übungen geholfen haben, ob sie überhaupt gepasst haben oder ob das Messer gewetzt wird!

Woran liegt es? Haben zu viele Menschen Probleme oder gibt es zu wenige Physiotherapie-Praxen?“

Die Defizite des maroden Gesundheitssystems zeigen sich im letzten Jahr gnadenlos offen. Es ist schon peinlich, denn schließlich haben wir für solche Fragen unseren Bankkaufmann. Der Mann der Sparbücher und Girokonten kennt sich doch aus mit dem Gesundheitssystem, oder?

Orthopädische Behandlungsplätze müssten doch ausreichend vorhanden sein, denn schließlich schickt die Polizei mit brutaler Gewalt die Menschen direkt zum Arzt. Wer heute für unser Grundgesetz eintritt, wird mit Gewalt der körperlichen Züchtigung unterzogen. Dabei spielt das Alter der Opfer keine Rolle. Vielleicht bekommt die ältere Dame schnell einen Termin bei der Physiotherapie…