Am Donnerstag gab es ein wahres Duell zwischen dem Intensivpfleger Lange und dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die Bundespressekonferenz mit Spahn und Wieler, welche überwiegend Freitags stattfindet, wurde überraschenderweise auf den Donnerstag verschoben. Diesmal gab es aber einen ganz besonderen Gast: Intensivpfleger Ricardo Lange.

Was er zu sagen hatte, waren verbale Ohrfeigen, Schellen und Seitenhiebe gegen die Bundesregierung. Der Intensivpfleger, der über eine Zeitarbeitsfirma auf der Intensivstation arbeitet, teilt ohne Gnade aus. Er rügt große Versäumnisse der Regierung! Er trägt sein Herz am rechten Fleck und spricht offen aus, was bisher nicht auf der Bundespressekonferenz zu hören war.

Fronten nicht mehr klar

Die Fronten auf der Bundespressekonferenz sind prinzipiell klar zugewiesen: vorne sitzen die Minister, der Leiter des Robert-Koch-Institutes und auch die Pressesprecher. Auf der anderen Seite befinden sich die Journalisten, die Fragen stellen aber oftmals nur unqualifizierte und narrische Antworten bekommen.

Dieses Mal sitzt auf der Bank, direkt neben unserem Tierarzt Lothar Wieler, ein muskulöser Intensivmediziner. Ricardo Lange antwortet den Journalisten und wirft der Bundesregierung vor, dass die Intensivstationen auch vor Corona krachend voll waren. Er beklagt, dass „wir“ immer nur über Corona reden, aber es auch andere Krankheiten gäbe. Die Sparmaßnahmen der Bundesregierung seien nicht neu und nicht erst seit Corona da. Wie recht er hat!

Intensivpfleger Lange im Boxkampf mit dem Minister

Das ist ein Treffer an das Bundesgesundheitsministerium, dass sich durchaus sehen lassen kann. Intensivpfleger Lange teilt schonungslos aus. Er kritisiert die wirren Regeln, die niemand nachvollziehen kann. Spahn versucht sich ein Lächeln rauszuquälen und geht in die Erklärungshaltung. Selbstverständlich habe er selbst schon vor Corona alles auf den Weg gebracht, um die Pflege zu stärken.

Jeder Erklärungsversuch wirkt wie das verzweifelte Rechtfertigen der eigenen Inkompetenz. Der Gesundheitsminister hat eigentlich gar keine Chance und ist noch Punkten deutlich unterlegen. Deswegen wurden und werden nach wie vor die Rücktrittsgesuche laut.

Der Journalist Boris Reitschuster, der sowohl die Bundesregierung, als auch die Regierungssprecher regelmäßig mit unangenehmen Fragen grillt, hat das Video wie eine Art Boxkampf kommentiert. Es ist wirklich erheiternd anzuschauen.

Intensivpfleger vs. Gesundheitsminister – die traurige Realität

So erheiternd und aberwitzig es erscheinen mag, so traurig spiegelt es die wahre Realität und das stümperhafte Versagen der Regierung wieder.

Ein Minister in oberster Gehaltsklasse wird von einem kleinen Intensivpfleger regelrecht niedergestreckt. Wobei sich klein nicht auf den Muskelberg der Intensivmedizin bezieht, sondern auf die Gehaltsabrechnung. Zwischen dem Zeitarbeitslohn und dem Ministergehalt werden wohl ein paar Tausender im Monat liegen. Es zeigt sich wieder deutlich, dass die monatliche Überweisung keinerlei Bezug zur körperlichen und geistigen Leistung der Menschen trägt.

Corona Bonus nicht in der Pflege angekommen

Ricardo Lange hat auf die Frage nach dem Corona-Bonus geantwortet. Ein Journalist wollte wissen, ob er Jens Spahn schon für den Bonus gedankt hätte. Mit der Antwort machte der sympathische Mann unseren Minister wieder ein Stück kürzer. Nicht jedem Intensivpfleger stand so ein Bonus zu, sondern nur denen, die in einem staatlich unterstellten Krankenhaus arbeiten. Aber dort hätten wohl noch nicht alle den versprochenen Bonus gesehen.

Ein wirklich sehr sehenswertes Video. Ricardo Lange ist ein sehr sympathischer, geistig wacher und emotionaler Intensivpfleger.

Intensivpfleger Lange kritisiert die Impfstrategie

Als er nach den Impfungen gefragt wird, nimmt der Muskelmann kein Blatt vor den Mund. Die Kommunikation sei falsch. Druck sei kein geeignetes Mittel um eine Massenimpfung durchzusetzen. Es fehle ein sachlicher Diskurs. Außerdem sei die Motivation, durch die Impfung Grundrechte wieder zu bekommen, falsch. Das sehen wir auch so!

Lieber Herr Lange, wir danken Ihnen für die ehrlichen und warmherzigen Worte. Es tut gut solche Menschen wie Sie, mit Herz und Verstand, auf dieser Seite der Bundespressekonferenz sitzen zu sehen. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern haben Ihre Aussagen eine gewisse Substanz, Ehrlichkeit und tragen das Merkmal, welches man einer Antwort zugesteht. Das kann nicht jeder auf diesem Stuhl. Es bleibt aber zu befürchten, dass Sie das letzte Mal auf dieser Konferenz eingeladen waren.